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*17.06.1927 in Berlin, Deutschland
Beruf: Künstler - Komponist
Eigentlich wollte der am 17.06.1927 in Berlin geborene Martin Böttcher Testpilot werden, aber nach dem Krieg waren Piloten erst mal nicht mehr gefragt. Der Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeisters hatte in seiner Kriegsgefangenschaft mit 17 Jahren begonnen Gitarre zu spielen und bekam danach seine Ausbildung beim Dirigenten Richard Richter. Als er nach dem Krieg beim Nordwestdeutschen Rundfunk einen Freund besuchen wollte, begegnete ihm Willy Steiner, Chef des Unterhaltungsorchesters und prompt erhielt er noch 1945 einen Job als Gitarrist beim NWDR (mit 18 Jahren als damals jüngster Musiker). Später gesellte sich dem
Orchester noch der Bassist Hans Last hinzu, der dann unter dem Namen "James Last" Weltruhm erlangen sollte. Der spielte übrigens auch, zusammen mit anderen Musikgrößen aus der Jazz-Szene wie Fatty George, Horst Fischer, Bill Grah und Ernst Mosch, in Böttchers Formation Mr. Martin's Band mit. 1950 spielte der "Soundbastler" die ersten Gitarrentrickaufnahmen in Deutschland ein. Diese warten noch auf eine Wiederentdeckung.
Bereits ab 1946 schrieb Böttcher Arrangements bis er 1952 vom NDR Abschied nahm, um sich dann ganz dem Arrangieren und Komponieren zu widmen. Im selben Jahr schrieb er für kleinere Dokumentarfilme die erste Filmmusik und 1955 die Musik für seinen ersten großen Spielfilm "Der Hauptmann und sein Held". Bereits sein zweiter Film "Die Halbstarken" (1957) - in der Hauptrolle Horst Buchholz- war ein großer persönlicher Erfolg.
1962 wird im Film "Max, der Taschendieb" (mit Heinz Rühmann) die weltberühmt gewordene Melodie HAWAII TATTOO verwendet, die Böttcher unter dem Pseudonym Michael Thomas geschrieben hat.
"In einer Zeit, da Elektrobass, Elektrogitarre und Synthesizer als letzter Schrei gepriesen werden, schon ein in den Vordergrund gezogener Rythmus als neuer Sound bejubelt wird, breitet Martin Böttcher wie ein Raumgestalter zunächst einmal den weichen Teppich seiner Geigen aus, auf dem er dann das übrige Interieur präsentiert. "Sichtbare Musik" - dieser Begriff umschreibt am Besten die Arbeit des Komponisten und Dirigenten Martin Böttcher."
Adaptiert von der Plattenhülle von: PORTRAIT IN MUSIK
Martin Böttchers Verdienste als Arrangeur und Orchesterleiter sind selbst den Amerikanern nicht entgangen. Die "Max Steiner Society" verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft, als man seine Einspielungen der Weltmelodien "Tara's Theme" und "A Summerplace" vernimmt.
Mit seiner Musik für die Karl-May-Filme avancierte Martin Böttcher in den 60er Jahren zum erfolgreichsten deutschen Filmkomponisten. Das Titelthema zum Karl-May-Film "Der Schatz im Silbersee" - die "Old Shatterhand - Melodie" - führte 1962 17 Wochen lang die Charts in Deutschland an und wurde mehr als 100.000 mal verkauft. Ein absolutes Novum in der deutschen Musikgeschichte zu der Zeit.
Zu insgesamt 10 Karl-May-Kinofilmen verfasste er die passende Musikuntermalung (und außerdem zur ZDF- Karl- May-Serie "Kara Ben Nemsi Effendi"). "An dem Erfolg des Films ist zur Hälfte die Musik beteiligt", so schrieb damals ein Kritiker nach der Uraufführung von "Der Schatz im Silbersee". Und auch heute noch ist die Musik erfolgreich. Vor einiger Zeit erschienen die kompletten Original Soundtracks auf einer Kollektion mit 5 CD's (leider war es nur eine limitierte Auflage und ist ausverkauft.). Als "Nachfolger" gibt es bei Bear Family die Gesamtausgabe der Karl-May-Filme unter dem Titel "Wilder Westen - Heißer Orient", angereichert mit einem dicken Filmplakatebuch.
"Für mich war es eine besonders schöne Zeit, als ich die Musik zum Schatz im Silbersee und all den anderen Filmen komponieren durfte. Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht - nicht nur, weil mir die Melodien so viel Erfolg brachten, sondern weil die Filme meiner Mentalität entgegenkamen. Das Grundmotiv war die Freiheit und die Ungebundenheit des Menschen. Ich musste nicht lange überlegen, bis mir die passenden Noten einfielen, die Musik kam aus dem Bauch. Vielleicht ist sie gerade deshalb so ein Erfolg geworden."
Martin Böttcher, Zitat aus "Michael Petzel: Karl-May Filmbuch"
Böttcher schrieb außerdem die Musik zu zahlreichen Edgar-Wallace-Filmen (wie sein Kollege Peter Thomas), zu den Pater- Brown- Filmen mit Heinz Rühmann und zu vielen Industrie- und Dokumentarfilmen sowie Werbespots im Fernsehen. Hierher verlagerte er in den letzten Jahren auch seinen Arbeitsschwerpunkt mit der Musik zu so bekannten Serien, wie "Das Kriminalmuseum", "Die Journalistin", "Der Illegale", "Der Trotzkopf", "Sonderdezernat K1", "Es muß nicht immer Kaviar sein" und "Forsthaus Falkenau".
Am 9. November 1995 wurde Martin Böttcher für seinen "besonderen Beitrag zur deutschen Filmgeschichte" in Bonn mit dem "Ehrenpreis für Filmmusik" ausgezeichnet (gestiftet u.a. von der Stiftung Deutscher Kinemathek, dem Deutschen Musikrat, der Deutschen Phono-Akademie und der Filmstiftung des Landes Nordrhein- Westfalen). Am 17. Mai 1996 wurde die Komposition "Friedensmelodie" im Rahmen der Radebeuler Karl-May-Tage live uraufgeführt. Hintergrund dieses Benefizkonzertes war der Wunsch der beteiligten Künstler und Initiatoren, eine Spende für das Kinderkrankenhaus in Mostar zusammenzutragen. Schließlich entstanden vor rund 30 Jahren in jener Gegend die Karl-May-Filme (und nicht den Alpen, wie uns der Corel All Movie Guide weismachen will).
Auf dem Karl-May-Fest 1994 in Bad Segeberg erhielt Martin Böttcher den Scharlih, die älteste und bekannteste Auszeichnung, die mit dem Namen Karl Mays verbunden ist. Während eines weiteren Karl-May-Festes (vom 25. - 27. Juli 1997) wurde er mit dem "Special Award" der deutschen Phonowirtschaft ausgezeichnet.
Im Januar 1998 sendete das ZDF den Zweiteiler "Winnetous Rückkehr", zu dem Martin Böttcher ebenfalls wieder die Musik verfasste. Als Hauptthema verwendete er die "Winnetou Melodie" aus dem Kinofilm Winnetou II und auch die "Friedensmelodie" fand ihren Weg in den Soundtrack.
34 Jahre nach der erstmaligen Aufführung von "Winnetou II" ist die Musik auch im neuen Gewand von Rap/Techno erfolgreich. Am 12. September 1998 wählten die Zuschauer der ZDF-Hitparade die Adaption der Winnetou-Melodie von der Gruppe "Superboys", mit dem Titel "...wünscht Du wärst bei mir", auf den ersten Platz. Eine Cover-Version des Titels von der tschechischen Gruppe Tezkej Pokondr wurde im März 2000 sogar mit Doppel-Platin veredelt. Auf dem Bild übergibt Martin Böttcher die Auszeichnung an den Produzenten Jaroslav Kohout.
Im Juli 1998 wurde Martin Böttcher aus Anlass seiner 50-jährigen Mitgliedschaft von der GEMA geehrt. Am 15.04.2000 erhielt er in Titisee-Neustadt (Schwarzwald) den Edgar Wallace-Preis in Gold für Verdienste um den deutschen Kriminalfilm.
Der sehr sympathische, eher zurückhaltend und bescheiden auftretende Mann lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Anneliese Kaplan (u.a. in: "Meines Vaters Pferde" (1953), "Käpt'n Bay-Bay" (1952)) , abwechselnd in Lugano und lange Zeit auch auf Sardinien. Seine große Leidenschaft gilt dem Surfen. Bei dem Sport erholt er sich von seiner anstrengenden Arbeit und einem vollen Terminkalender. Seine verheiratete Tochter Betsy lebt in Norddeutschland.
Das team@biografie.de empfiehlt Ihnen die hervorragend gestaltete Homepage von Wilfried Wittkowsky, auf der sich ausser umfangreichem Ton- und Bildmaterial auch die Discografie findet!
Autor:
Wilfried Wittkowsky
Email des Autors:
Wittkowsky@t-online.de
Homepage des Autors:
http://www.martin-boettcher.net
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