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Pierre Louis Baron de Bris, Künstlername Pierre Brice

  *06.02.1929 in Brest, Frankreich

Beruf: Künstler - Schauspieler

Pierre Brice - Der rote Baron - Eine Rothaut für die wahren Werte

"Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein." So schreibt Karl May in seiner Einleitung zu Winnetou I. 83 Prozent der Deutschen fällt zwar nicht der Türke, wohl aber der Franzose ein, wenn er an Indianer denkt und damit ist der "Indianer" von dem hier die Rede ist, bekannter als das Top-Model Claudia Schiffer:

Pierre Brice wird am 6. Februar 1929 in der Hafenstadt Brest an der französischen Nordwestküste unter dem richtigen Namen Pierre Louis de Bris geboren. Er hat blaues Blut in den Adern und darf den Titel Baron tragen. Seine Eltern erziehen ihre beiden Kinder streng religiös und patriotisch. Er besucht das Gymnasium und besteht das Abitur. Sein Vater, ein Marineoffizier der die meiste Zeit auf hoher See ist und seinen Sohn selten sieht, sähe es gerne wenn der Sohn Architektur studieren würde.

Die Werte, die die Winnetou-Figur vermittelt, nämlich den Einsatz für Frieden, Freiheit und sein Vaterland sieht Brice schon in jungen Jahren als selbstverständlich an. Er engagiert sich im Alter von 14 Jahren für den französischen Widerstand in dem, von Nazi-Deutschland besetzten Frankreich. Botengänge und ähnliches zählen zu seinen Aufgaben. "Mein Vater war bei der Resistance, mein Cousin starb in Auschwitz. Damals beschloss ich, dass man gegen das Unrecht kämpfen muss. Ich hatte entschieden, etwas für mein Vaterland zu machen. Ich habe mich geschämt, als ich die französische Armee sah. Es war furchtbar!"

Es mag sein, dass seine ersten Eindrücke bei der Armee in ihm ein Verlangen nach mehr hervorrufen, so meldet er sich 1944 freiwillig für den Dienst in Uniform, geht nach Kriegsende für zwei Jahre als Marinesoldat nach Algerien, dann für vier Jahre nach Indochina. Er wird mit drei Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Im Dschungel des heutigen Vietnam, sollte für ihn der Ursprung seines späteren Berufes liegen. Um sich in den Kampfpausen einigermaßen sinnvoll die Zeit zu vertreiben, will er "etwas Lustiges" für seine Kameraden machen. Und heraus kommt dabei eine Art Kabarettprogramm. "Ich habe alles organisiert, ich habe die Regie gemacht, ich habe ein paar Sketche gespielt und geschrieben, ich habe gesungen und habe dabei ein phantastisches Gefühl gehabt... Und da habe ich zu mir gesagt, das wär vielleicht ein interessanter Beruf für dich."

1952 nach dem Abschied vom Militär - er war gerade 23 Jahre alt - fängt der ehemalige Fallschirmjäger und Froschmann an, in Paris Architektur zu studieren. Doch unaufhaltsam verspürt er den Drang zur Schauspielerei und er hängt, gegen die Widerstände seiner Eltern, das Studium an den Nagel. Für ihn steht der Entschluß fest, zukünftig sein Glück als Darsteller zu versuchen. Seine Lehrer sind vom Talent des einen Meter achtzig großen und blendend aussehenden jungen Mannes mit den dunklen Haaren, grünen Augen und dem charakteristischen Profil beeindruckt. Währenddessen verdient sich Pierre Brice seinen Lebensunterhalt durch diverse Nebenjobs und Aushilfstätigkeiten. Nach Abschluß des Schauspielunterrichts bleiben die erhofften Engagements jedoch leider aus. Mehr aus Selbsterhaltungstrieb schließt er sich der Artistengruppe "Trio Gansser" als Tänzer an, die im Pariser Variete-Theater im La Bruyere auftreten und arbeitet nebenbei als Photomodell und Vertreter für Schreibmaschinen: "Mir ging es schlecht, ich wohnte in kleinen, dunklen Gassen, in winzigen muffigen Zimmern, in denen es immer nach Kohl roch, bis jemand meine schwindsüchtige Figur entdeckte - durch Zufall." Während seiner Tätigkeit als Darsteller für Photoromane lernt er Brigitte Bardot kennen, die damals, ebenso wie er auf den großen Durchbruch hofft.

Endlich, im Jahre 1954, haben seine Bemühungen beim französischen Film Erfolg. In einer winzigen Nebenrolle im Lichtspiel ,,Harte Fäuste- heißes Blut" darf er dem berühmten Eddi Constantine die Türe aufhalten. Nach einem schweren Autounfall und einer dadurch bedingten längeren Pause fällt der gutaussehende junge Mann eines Tages im Atelier der Schauspielerin Michèle Morgan auf, und sie verschafft ihm wenig später seine erste etwas größere Rolle in dem Film "Der Spiegel mit den zwei Gesichtern". Doch im französischen Film gibt es bereits einen männlichen Star und Pierre sieht ein, dass es für zwei keinen Platz gibt. Sein Freund Alain Delon, der 1955 ebenfalls als Soldat aus dem Indochina-Krieg zurückkehrt, beherrscht das öffentliche Interesse.

In den folgenden drei Jahren pendelt Pierre Brice zwischen französischen, italienischen und spanischen Ateliers hin und her, wirkt in einer Anzahl passabler, aber durchschnittlicher Filme mit, von denen eigentlich nur Marcel Carnes Jugendproblemfilm "Die sich selbst betrügen", Claude Chabrols Studentenmilieu-Schilderung "Schrei, wenn du kannst" und Damiano Damianis Kriminalmelodram "Unschuld im Kreuzverhör" besondere Beachtung verdienen. Seine Wiege ist jedoch das Theater. Er spielt vor dem verwöhnten Pariser Theaterpublikum in Stücken von Tschechow, Dostojewski, Tolstoi oder Victor Hugo.

In Italien wird er durch einige Hauptrollen in Kostümfilmen zu Beginn der 60er Jahre recht populär. Unter anderem leiht er auch den bekannten Heldengestalten Zorro und Robin Hood sein Gesicht. Die ganz großen Rollen bleiben ihm jedoch verschlossen, ambitionierte Aufgaben werden nicht an ihn herangetragen. 1959 wechselt er in die Filmmetropole Rom, wo er unter anderem mit D. Damani seinen ersten und einzigen Kriminalfilm dreht, in dem Pierre Brice einen Mörder spielte. Der 1961 gedrehte Kinofilm "Los Atracadores" wurde 1962 von Spanien zu den Internationalen Filmfestspielen nach Berlin gebracht. Und dort begann, was über 30 Jahre das künstlerische Leben von Pierre Brice prägen sollte.

In Deutschland hat sich zu dieser Zeit Produzent Horst Wendlandt zur Herstellung des Karl-May-Filmes "Der Schatz im Silbersee" entschlossen. Er wünscht sich Horst Buchholz als Winnetou, doch der ist nach seinen Hollywood-Erfolgen unerschwinglich. Mit einem unbekannten mexikanischen Darsteller werden Probeaufnahmen gemacht ebenso mit dem bekannten Dracular-Darsteller Christopher Lee. Der Amerikaner Guy Williams wird sogar im Constantin-Verleihprogramm 1962/63 offiziell als Winnetou angekündigt. Steht von Anfang an fest, dass Lex Barker Wendlandts Wunsch Shatterhand ist, der die Rolle schließlich auch annimmt, so kommt man mit dessen Blutsbruder Winnetou bei der Besetzung doch in arge Bedrängnis. Doch dann die Lösung: Bei den Berliner Filmfestspielen im Juli, die Pierre Brice anlässlich seiner Auszeichnung als bester Nebendarsteller in der spanischen Produktion "Los Attracadores" besucht, entdeckt der Produzent auf der Dachterasse des Hilton-Hotel den hierzulande bis dahin nahezu unbekannten Franzosen mit dem ausdrucksvollen Gesicht: "Horst Wendlandt sah mich den ganzen Abend an und ich fragte Ivan Desney ob der Mann vielleicht schwul sei. "Nein, nein", sagte Ivan, "das ist Horst Wendlandt, ein Filmproduzent!" Von da an war ich sein Favorit für die Rolle des Winnetou." Wendlandt spricht den gut aussehenden Franzosen allerdings noch nicht an und als er sich dazu entschließt, ist Brice schon abgereist. Der Produzent steht unter Termindruck, denn die Dreharbeiten zu "Der Schatz im Silbersee" stehen kurz bevor. Über Ivan Desney läßt er Brice's Agentin verständigen. Seine Pariser Agentur ruft zurück, doch seine Managerin erklärt, Monsieur Brice befände sich im Augenblick auf Segeltörn in Cannes. Als Brice hört, dass er in einem deutschen Film einen Indianer spielen soll, ist er skeptisch. Und von einem Charles May hat er erst recht noch nie gehört. Brice kauft sich eine französische Winnetou-Ausgabe und ist begeistert: "Das ist meine Rolle!", ist er überzeugt. Gemeinsam mit seiner Agentin fliegt er nach Zagreb, wird in Indianerkleidung gesteckt und geschminkt. Vierzehn Tage später beginnt man, mit ihm zu drehen. Wendlandt erinnert sich: "Die haben mich gefragt, ob nicht ein bisschen mehr Text für Pierre eingeplant werden könne. Er hätte ja nur ein paar Mal 'Mein Freund' und 'Houwgh' sagen müssen, das sei etwas zu wenig. Aber ich sagte Pierre laß mal, das einzige was Du machen musst ist dastehen und gut aussehen! Und der Harald, der Harald Reinl, der hat immer nur gesagt 'wunderbar Pierre, wie du das machst', nich wahr! Und bei der Premiere konnte der Pierre gar nicht fassen, wie die Leute förmlich ausrassteten als sie ihn sahen, denn er hatte ja gar nichts gesagt, nich wahr! Er konnte eben die Bedeutung seiner Rolle damals noch garnicht richtig einschätzen!" Zu Beginn der Dreharbeiten ist Winnetou noch ein wenig unbeholfen. Er fühlt sich erst nicht so richtig wohl an der Seite des großen Amerikaners. So passiert es, dass er während er geschminkt wird plötzlich aufspringt als Regisseur Reinl auf Deutsch "Bitte Ton!" schreit und er "Winnetou!" versteht. Brice platzt mitten in die Szene, das belustigt das ganze Filmteam, nur nicht den Regisseur, von dem er einen kräftigen Anpfiff kassiert. Doch Brice wächst schnell in die Rolle des Indianers hinein. Heute noch ist ihm manchmal befremdlich, welchen Eindruck er bei den Leuten hinterließ, wenn er als Winnetou auf der Bühne stand. Er kann die Geständnisse seiner glühenden Fans weniger verstehen wenn die ihm gestehen, welche Bedeutung er für ihr Leben gehabt hat.

Die Presse kommentiert die Wahl des Franzosen bissig: "Die Gesellschaft heuert Amerikas Ex-Tarzan Lex Barker als Old Shatterhand an, für die Figur des edlen Häuptlings Winnetou holt man sich das ehemalige Photomodell für Herrenbekleidung den Franzosen Pierre Brice". Doch Wendlandt hat den richtigen Riecher. Die Wahl erweist sich als Glücksgriff. Das einzige Problem: Brice kann nicht reiten. In einem Crash-Kurs am Set zum "Schatz im Silbersee" bringt der leidenschaftliche Pferdenarr Lex Barker, der als Kind schon ein eigenes Pferd besaß, seinem Blutsbruder das Reiten bei: "Als ich nach Jugoslawien kam hat mir die Produktion ein Pferd gegeben und mir gesagt 'Jetzt mußt du reiten!' Ich habe noch heute Narben auf meinem .... !"
Er mausert sich jedoch schnell zum begeisterten Reiter und würde nach Drehschluß gerne noch weitergaloppieren. Ist Lex zu Beginn über sein Unbeholfenheit amüsiert, lacht er nun über den Enthusiasmus, der seinen Filmblutsbruder erfasst hat.

Für das Publikum und auch die Kritik war Pierre Brice schlechthin die Idealverkörperung des Mayschen Indianerhäuptlings, den er abwechselnd an der Seite Lex Barkers als Old Shatterhand, Stewart Grangers als Old Surehand und Rod Cameron als Old Firehand insgesamt elfmal darstellt. In der Tat ist es die vornehme Zurückhaltung und die sanfte Stimme, die dem jungen Pierre Brice eine positive, ja fast magische Ausstrahlung verleihen. Oftmals macht er auf die Journalisten bei Pressekonferenzen einen bescheidenen, fast schüchternen Eindruck. Wenn er dann noch das berühmte Winnetou-Kostüm trägt, ist die Symbiose perfekt: Ein Indianer aus dem Bilderbuch.

Winnetou, alias Pierre Brice wird vorwiegend in Deutschland zum Superstar, zum erklärten Liebling der Jugend und zum edlen Helden vieler Mädchenträume. Brice entfacht pubertäre Weinkrämpfe wie Elvis oder die Beatles. An Kinderzimmer-Wänden hängen lebensgroße Poster mit seinem Konterfei. Und plötzlich ist es chic, im Karneval rote Hautfarbe zu bekennen. Aufgrund seiner Popularität verleiht man ihm 1965 und 1966 das Goldene Bambi, die Leser der Jugendzeitschrift "BRAVO" würdigen ihn insgesamt zwölf Mal mit dem Otto, davon neunmal in Gold. Außer Nena mit 56 Titelblättern wird kein Star nach ihm so häufig auf dem BRAVO-Titel abgebildet als er, keiner bekommt so viele Starschnitte gewidmet. Damit ist Brice der bislang erfolgreichste und beliebteste BRAVO-Star aller Zeiten, neben Inge Meysel, die mit insgesamt 11 Ottos die Rige der Frauen anführt und damals mit der Familienserie "Die Unverbesserlichen" (1965-1971) in der Rolle der "Mutter der Nation" (eine Art Mutter Beimer der Sechziger) ebenso große Popularität genießt. Neben den Karl-May-Verfilmungen tritt Pierre Brice zu jener Zeit auch noch in anderen erfolgreichen Abenteuer- und Actionstreifen auf.

Doch von der Winnetou-Schablone, in die ihn Produzenten und Kinogänger gedrängt haben, kommt er nicht mehr los. Trotz des anfänglich überragenden Erfolges ist Pierre Brice von dieser Entwicklung nicht recht beglückt. 1965 wird "Winnetou III" verfilmt. Der Apache geht in die ewigen Jagdgründe ein und ein Protestschrei der Fangemeinde ertönt durch die Presse. "Winnetou darf nicht sterben" - so die BRAVO, die Bild am Sonntag titelt "Winnetou soll leben" oder die Revue "Winnetou darf nicht sterben", und die Teenager-Postille Bravo startet sogar eine Kampagne zur Rettung der Rothaut. "Unsere ganze Familie war tagelang traurig, weil Pierre Brice bald kein Winnetou mehr sein wird", schreibt ein Winnetou-Fan in einem Leserbrief, an anderer barmte: "Laßt ihn nicht sterben! Laßt ihn im letzten Augenblick durch Old Shatterhand retten!" Doch trotz Morddrohungen kann keiner den Produzenten von seinen Plänen abbringen, er bleibt unnachgiebig. Wendlandt reist allerdings vorher nach Jugoslawien und besucht die Dreharbeiten. Er berät sich mit Brice und man kommt überein, die Fans mit der Ankündigung zu beruhigen, dass sofort mit dem Dreh zu "Old Surehand" begonnen wird, denn Karl May hat schließlich seinen Edelindianer auch nach seinem Ableben in zahlreichen anderen literarischen Werken weiterleben lassen. Die Karl-May-Welle befindet sich aber mit der Verfilmung von Winnetous Tod bereits auf ihrem Zenit. Hält man sich in den ersten drei Filmen in der Art der Darstellung der Figur noch eng an die Vorlage, Winnetou ist schweigsam und wirkt allein durch seine Ausstrahlung, so verändert er sich zunehmend und verkommt durch das "guter Kumpel"-Flair. Dies ist mit dem Film "Der Ölprinz" bereits massiv spürbar und findet seinen traurigen Höhepunkt in dem "Apanatschi"-Film. Da merkt man, dass Reinl als Regisseur mit viel Liebe zum Original agiert, während Harald Philipp scheinbar May nie gelesen hat. Leider haben die Produzenten nicht erkannt, dass die Figur des Winnetou wirkt, ohne viel Worte zu verlieren. Das ist der typisch indianische Charakterzug den May in seinen Büchern betont. Auch Brice trägt zur Veränderung bei, als er sich mehr Text wünscht. Später quatscht er sich tot, in den Stücken die er selbst für die Freilichtbühne inszeniert oder in den Büchern für die Fernsehfilme, an denen er nicht unwesentlich beteiligt ist.

Doch das Ende der Karl-May-Welle zeichnet sich ab. Sergio Leone dreht seine Italo-Western in Spanien. Das Publikum steht nicht mehr auf romantische und vorbildliche Helden sondern identifiziert sich mehr mit den Figuren, die abgerissene Kleidung tragen und außer Rache und selbstgewählter Loyalität keine Moral kennen. Die Karl-May-Stars wollen, dass Wendlandt von nun an auch in Spanien dreht, doch der wiegelt ab. Er hat als Produzent ein Gespür für den Geschmack der Zuschauer und merkt, dass mit Karl May kein Geld mehr zu machen ist. Der Franzose versucht unterdessen sein Image durch Filme wie "Die Nacht gehört uns" und "Die Reue des Pierre Guilhem" zu ändern, aber der neue Pierre Brice soll beim Publikum nicht ankommen. Es wird etwas stiller um ihn.

Als die Karl May Filme 1971 erfolgreich wiederaufgeführt werden geht er mit Marie Versini und Mario Adorf auf Verbeugungstournee. 1971 tritt er mit seinem Original-Kostüm in der Rudi Carrell Show im Fernsehen auf (Fotos oben). Marie Versini erzählt: "Ich erinnere mich noch gut an die Rudi Carrell Show" im Mai oder Juni 1971. Es gab dort zunächst einen Sketch über TARZAN in einer Schulklasse, mit Lex als altem Tarzan und einem jungen Schauspieler, dessen Namen ich nicht mehr weiß, der aber damals gerade den Tarzan in einer amerikanischen TV-Serie spielte. (es handelte sich um Ron Ely, Anm. Webmaster). Und es gab den Karl May Sketch mit Pierre und mir, von Rudi Carrell geschrieben, der sehr lustig war. Aber Brice machte einen Aufstand: "Was wollen Sie!? Sie wollen meine Persönlichkeit von Winnetou töten, so wie das Publikum ihn liebt, in dem sie ihn lächerlich machen..."etc. Das war der Bruch. Pierre wollte diesen Sketch nicht spielen. Rudi Carell fand dann einen Kompromiß. Wir spielten zunächst den normalen Sketch in der Art von Karl May, und dann nahmen wir das Ganze nochmal als Parodie auf." Parallelen dazu genau 30 Jahre später: Die Bully Persiflage "Der Schuh des Manitu" kommt in die deutschen Kinos. Darin werden die Karl-May-Filme und die Italo-Western auf die Schippe genommen. Brice ist empört. In einem Beitrag für Focus TV zeigt er sich nicht begeistert über den Film und in einem Interview für die Münchener tz äußert er: "Karl May hat das nicht verdient. Der Film hat einen Mythos zerstört'' (siehe Wirklichkeit und Mythos).

Sein Stern steigt wieder. Es wird sogar von neuen Karl May Filmen gesprochen. Da auch Lex Barker in Hollywood nicht mehr so Fuß fassen kann, wie er sich das eigentlich gewünscht hätte, wäre das auch für ihn willkommene Abwechslung gewesen. Im Mai 1973 sitzt Pierre Brice in seiner Pariser Wohnung. Er hat es sich bei einer Tasse schwarzen Kaffees gemütlich gemacht als ihn eine Überschrift im "Figaro" förmlich wie ein Schlag trifft: "Lex Barker tot im Rinnstein zusammengebrochen". Völlig fassungslos kann er im ersten Moment den Artikel in der Morgenpresse nur überfliegen um der wesentlichen Botschaft gewahr zu werden. Sein Freund Lex Barker bricht in der Nähe der 61. Straße in Manhattan zusammen. Im ersten Moment hilft niemand und als einige Passanten sich schließlich um den großen Unbekannten kümmern, ist es bereits zu spät. Pierre Brice ist wie in einem Schockzustand, er kann nicht fassen, was er da liest: "Mein Gott, er ist so stark wie eine Eiche gewesen, so unverwüstlich..." Die neun Filme, die sie zusammen gedreht haben, haben die beiden mittlerweile auch menschlich nähergebracht und Pierre Brice ist mit dem Freund bis zu seinem Ende im telefonischen Kontakt geblieben. Die Pläne für eine Neuverfilmung mit seinem Filmblutsbruder werden mit Barkers Tod nun endgültig begraben.

Er tritt 1975 in der populären Kindersendung "Ach du dickes Ei!" auf. Natürlich im Original-Kostüm der Winnetou-Filme. Pierre dreht 1974 den Film "Die Puppe des Gangsters" mit Sophia Loren für die er, wenn er über sie spricht, ins Schwärmen kommt. Für ihn ist die Loren die Professionalität schlechthin. Wenn er auf Filmgalas bei denen sie auch anwesend ist auf ihren Spuren wandelt, kann es schon einmal passieren, das Pierre Brice seine Gattin aus den Augen verliert. Nach "Die Puppe des Gangsters" folgen die Fernsehserien "Die Marquise von B." und "Die Mädchen aus dem Weltraum".

So lebt er nun mit der großen Bürde und im Schatten des roten Bruders Winnetou fort, die Jahre dazwischen von nur ein paar mittelmäßigen Filmrollen unterbrochen. Immer wieder tauchen in bekannten Illustrierten Anfang der siebziger Jahre Forderungen wie "Spiel endlich wieder Winnetou!" oder "Gebt uns unseren Winnetou zurück!" in den Schlagzeilen und Titelblättern auf.

Dann, 1976 sieht sich der Leiter der Karl-May-Festspiele Elspe Jochen Bludau vor die Aufgabe gestellt, die Winnetou-Rolle neu zu besetzen. Sein bisheriger roter Bruder Peter Läher will sich als Fahrlehrer selbstständig machen und kann deshalb nicht den ganzen Sommer über im Indianerkostüm auf der Bühne stehen. So kommt Bludau auf die Idee, bei Pierre Brice anzufragen. Dieser nimmt nur zu gern wieder die Rolle an, die ihm Ruhm und Reichtum eingebracht hat. Und schlagartig kommt mit Winnetou der Erfolg zurück. Brice, der deutschen Sprache nicht mächtig (er spricht neben seiner Muttersprache nur Italienisch und Englisch) paukt verbissen seinen deutschen Text. Das Stück "Der Ölprinz" lockt mit Pierre Brice als Winnetou 100 000 Zuschauer mehr an die Naturbühne als im Vorjahr. Insgesamt belaufen sich die Besucherzahlen auf eine Summe von 252 602. So viele Besucher hat bislang weder ein Karl-May-Stück, noch sonst irgend eine Aufführung auf einer Freilichtbühne angelockt. Es ist als hätte es die Jahre zwischen dem letzten Karl-May-Film und Brices Comeback im Sauerland nicht gegeben. Zum Ritual nach jeder Vorstellung gehört, dass Brice ganz dicht am Publikum vorbei reitet und es hat den Anschein als ob er jeden einzelnen Zuschauer mit seinem magischen Blick fixiert. Besonders geht Winnetou dabei auf die Randgruppen ein. Er schüttelt seinen behinderten Fans die Hände und zeigt ihnen damit seine besondere Zuneigung. Wieder beherrscht Winnetou/Brice die Medien.

Der Erfolg, den er mit Winnetou erneut feiert, läßt ihn ein anderes Projekt wieder aufgreifen. Die Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" wird 1979 in Mexico gedreht. Die Serie macht die Zuschauer hervorragend mit den Sitten und Bräuchen der Indianer vertraut und zeigt die Probleme des roten Volkes historisch korrekt. Winnetou wird nicht als Edelindianer nach Karl May dargestellt, sondern die Figur ist erstaunlich realitätsnah mit sehr indianischen Gefühlen und Ansichten (Winnetou ist zum ersten Mal nicht Häuptling aller Apachen, sondern nur der Mescaleros). Leider bekommt die wertvolle Serie in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdient hätte. Winnetou wirkt deshalb auf den deutschen Zuschauer sehr fremd und die Serie fällt, sehr zu Unrecht bin ich der Auffassung, durch in der Gunst des Publikums. Dafür wird die Reihe im europäischen Ausland sehr populär. Zwischenzeitlich tritt Brice, neben Elspe, auch in Ratingen auf der Freilichtbühne am Blauen See und in der Wiener Stadthalle als Winnetou auf.

1982 wird dann sogar eine anderthalbjährige Deutschlandtournee in großen Hallen und in einem eigens dafür angeschafften Zirkuszelt geplant. "Winnetou", ein Action- und Musikschauspiel*). Nach der Premiere in der Dortmunder Westfalenhalle wird Tournee jedoch schon bei der zweiten Station in Wuppertal abgebrochen, da der Veranstalter kein Geld mehr hat. Pierre geht wieder zurück nach Elspe.

1987 spielt er ein letztes Mal an der Seite von Thomas Gottschalk in dem Kinofilm "Zärtliche Chaoten" den Winnetou auf der Leinwand. Sein Auftritt in dem Film ist wohl auf Gottschalks Karl May Leidenschaft zurückzuführen. Gottschalk selbst gibt darin eine Parodie auf seinen Jugendschwarm Lex Barker.

Wegen Differenzen mit Jochen Bludau beendet Pierre Brice im Jahre 1986 sein Engagement in Elspe. 4000 Fans winken zum Abschied mit französischen Fähnchen. Offiziell läßt man verlauten, Brice sei zu alt, um den Apachen glaubwürdig zu spielen. Die Konkurrenz in Bad Segeberg zögert nicht lange und nutzt die einmalige Gelegenheit, Pierre Brice zu verpflichten. Von 1988 bis 1991 folgen vier weitere Jahre als Winnetou, bevor er dann zum unwiderruflich letzten Mal sein Pferd sattelt. Die nun endgültige Abschiedvorstellung wird zur Liebeserklärung des deutschen Publikums an seinen französischen Indianer: "Pierre nous t´aimons de même sans costume de Winnetou", "Pierre, wir lieben Dich auch ohne Winnetou-Kostüm", lautet der Text eines Transparents, das die Fans schwingen.

Die Italiener zeichnen ihn als besten Schauspieler aus, in Spanien erhält er den Nationalpreis und in Deutschland wird er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Doch auf eine Auszeichnung ist er besonders stolz. Die Winnebago-Indianer aus Nebraska verleihen ihm nach einer Segeberg-Aufführung am 23. August 1991 vor 8000 Zuschauern den Ehrentitel "Rainbow Man" (We-pumma-Ka-da-ga). Bereits 1964 wird ihm, von in Europa bei der US-Armee dienenden, Indianern der Ehrentitel "Zuckender Blitz" verliehen. Der Name Rainbow-Man beschreibt eine Persönlichkeit, die freundlich, tolerant, gebildet und großzügig ist.

Doch wirklich das Ende als Winnetou? Unter dem Arbeitstitel "Winnetou lebt!" dreht der ewige Indianer Pierre Brice ab September 1996 in Spanien die Rückkehr als Winnetou - 28 Jahre nach seinem letzten Film. Regina Ziegler produziert das neue Projekt, das im ZDF gesendet werden soll. Unbesetzt bleibt dagegen die Rolle des Old Shatterhand. Der Zuschauer ist noch heute so auf Lex Barker und seine Darstellung des Helden fixiert, daß ein anderer Schauspieler in der Rolle kaum akzeptiert würde. Damit man nicht ganz ohne Lex Barker auskommen muss, hat man eine Idee. Regina Ziegler ruft bei Horst Wendlandt an und bittet ihn, Bilder aus seinen alten Filmen für "Winnetous Rückkehr" zur Verfügung zu stellen. Wendlandt bemerkt dazu: "Sie sollten als Rückblende gedacht sein, wenn der alte Winnetou sich zurück erinnert. Das Kapitel war für mich eigentlich abgeschlossen, aber bitte, wenn sie das machen wollte, sollte es nicht mein Bier sein. Aber als ich dann das Drehbuch gelesen hatte, habe ich gesagt: 'Dafür nicht! Das ist ja bodenloser Quatsch!'"

Der einstige May-Produzent ist skeptisch und hat auch hier erfahrungsgemäß den "richtigen Riecher" bewiesen. "Ja selbst mit Pierre Brice und Lex Barker gemeinsam, wäre ein Film heute nicht mehr erfolgreich!", ist er der Meinung. Die Rückkehr des gelernten Edelindianers ist dem ZDF sogar ein Bericht im "heute-journal" wert, als Public Relation Hilfsmittel natürlich. Und so sitzen die 6,09 Millionen Zuschauer am 3. Januar 1998 mit großen Erwartungen vor den Fernsehschirmen, doch viele sind nach dem ersten Teil bereits sehr enttäuscht. Winnetou hat sich verändert. Obwohl Brice in seinem fortgeschrittenen Alter immer noch einen passablen Winnetou abgibt, ist die Story eher haarsträubend schlecht und wirkt in vielen Passagen doch sehr realitätsfern und arg zusammengezimmert. Für viele nette Unterhaltung, für diejenigen die Karl May kennen und gelesen haben, will seine Darstellung des alternden Helden aber ganz und gar nicht passen. Völlig undenkbar ist auch die leicht angedeutete Liebesgeschichte zwischen einer Weißen und Winnetou.

Auch im deutschen Fernsehen kommt Brice mit anderen Rollen nur mäßig an. Sein Einsatzgebiet lag bisher eher in der seichten Unterhaltung "Traumschiff (1982)" und "Ein Schloß am Wörthersee (1990/91) Es folgen weiter TV-Produktionen wie "Mallorca - Liebe inbegriffen" und "Der blaue Diamant". Mit "Die Hütte am See" bekommt er im ZDF sogar eine eigene Serie. Zugegeben, für einen gut aussehenden Franzosen in der deutschen Fernsehunterhaltung einen gebührenden Platz zu finden ist nicht einfach.

Als es 1999 um den Posten des Regisseurs bei den Karl May Festspielen Bad Segeberg geht, mischen viele bekannte Namen mit. Doch den Job bekommt einer, mit dem wohl niemand mehr so recht gerechnet hatte. Pierre Brice. Mit seinen nunmehr 70 Jahren bekommt der Franzose den Auftrag, nach seinem letzten Segeberg-Engagement von 1991 das "Halbblut" als Regisseur auf die Bühne zu bringen. Allerdings liegt das Stück hinter den Besucherzahlen des Vorjahres zurück.1998 waren nach 37 Vorstellungen und öffentlicher Generalprobe 87 661 Wildwest-Fans gezählt worden - 3 736 mehr als jetzt. Nach Angaben von Ernst Reher, Geschäftsführer der Kalkberg GmbH, entspricht das einem Minus von 4,3 Prozent. Pech für die Veranstalter ist ein während der Spielzeit ausgebrochener Kulissenbrand der einen neuen Kunstfelsen vollständig vernichtet. Der Bau hatte 800.000 DM gekostet.

Gegen Unrecht kämpfen, so wie Winnetou das tut er heute noch: zum Beispiel als Friedensbotschafter in Bosnien. Zwei Wochen fuhr er mit einem Hilfskonvoi durch schwer umkämpftes Kriegsgebiet, mit ihm 18 Begleiter und 200 Tonnen Lebensmittel (mit der humanitären Aktion löst Brice eine verlorene Wette bei Thomas Gottschalks "Wetten, dass..?" ein). Seine Erlebnisse brechen auch einem Indianer das Herz: "Bauchschüsse, amputierte Beine, ein Land in Trümmern. Ich fühlte mich elend." Auch in der Sendung "Schreinemakers Live" macht er auf seine Hilfsaktion aufmerksam und ruft zu Spenden für einen weiteren geplanten Konvoi auf. "Wir waren direkt vor Ort. Manchmal sehr nahe an den Serben, das war oft gefährlich. Wir haben in keinem Vier-Sterne-Hotel geschlafen, sondern oft sogar auf der Straße. Aber wir haben unsere Aktion bis zum Ende durchgeführt." Er unterstützt auch Margarete Schreinemakers bei ihrer Hilfe für Knochenmark-Kranke. "Viele halten nichts davon mit Hilfe ihrer Popularität für die gute Sache einzutreten. Ich denke gerade weil man populär ist, sollte man seine Bekanntheit dazu einsetzen um anderen zu helfen." Auch als Botschafter für Unicef, dem Kinder-Hilfswerk, tut sich Brice hervor und jagt von einer Benefiz-Veranstaltung zur nächsten. Aber auch dem Naturschutz hat er sich verschrieben. Er liebt es, allein oder mit seinen Tieren die Landschaft zu durchstreifen und äußert einmal, dass er auch gerne Landwirt geworden wäre. Seine Zuhause, ein Gutshof in der Nähe von Paris und in ein Landhaus oberhalb von Cannes, ist von zahlreichem Getier bevölkert, von der Katze über das Schaf bis hin zu seinen geliebten Pferden. 1998 würdigt das Haus der Geschichte in Bonn in seiner Ausstellung "Vis à Vis Deutschland Frankreich" die besondere Beziehung der Deutschen zu ihrem "französischen" Winnetou. 1999 bekommt er vom Karl May-Archiv den "Scharlih" wegen seiner Verdienste um Karl May und seiner literarischen Romanfigur "Winnetou" verliehen. Für seinen Einsatz als Unicef-Botschafter wird Pierre Brice im September 2000 mit dem undotierten Thomas Morus Ehrenpreis ausgezeichnet.

Verheiratet ist er mit einer Deutschen. Hella Krekel, eine 20 Jahre jüngere Arzttochter aus dem bayrischen Amberg. 1976 lernte er sie auf dem Münchner Filmball kennen, fünf Jahre später heirateten sie. Und Hella schaffte, was sonst keine Frau vor ihr vermochte: Sie zähmte den ewigen Junggesellen und notorischen Frauenhelden. Die "starke" Hella hat ihren Mann fest im Griff, ohne sie, sagt er heute, fühlt er sich unwohl in der Öffentlichkeit. Die Gattin wacht mit Argusaugen darüber, dass der Heiligenschein ihres Mannes keine Kratzer bekommt. Kritik erträgt die Frau, die an der Seite ihres Mannes schon als Indianersquaw auf der Freilichtbühne auftrat, nur mit Mühe. Da legt sie auch schon mal selbst mit Hand an, wenn es gilt, unbequeme Stimmen in ihre Schranken zu weisen. So hatte das Magazin "Karl May & Co" das Stück ihres Mannes in Bad Segeberg gnadenlos auseinandergenommen. Sie tat daraufhin das gleiche, allerdings mit den in Segeberg angebrachten Werbeplakaten des Magazins.

"Wir Bretonen sind alles sehr gläubige Leute. Und ich glaube auch an Gott. Ich gehe gerne in die Kirche und bete. Jesus Christus ist ein Vorbild und war ein guter Politiker. Und ich bin sicher, dass jeder Mensch ein Schicksal hat, das er begrenzt mit seinem eigenen Willen korrigieren kann." - Pierre Brice, der Schauspieler mit eher konservativer Einstellung. Er zeigt sich gern mit Politikern der "schwarzen Fraktionen", zählt Theo Waigel und Christian Schwarz-Schilling zu seinen persönlichen Freunden. In München auf dem Oktoberfest sah man ihn schon mit Franz-Josef Strauß den Maßkrug stemmen. Der Bretone hält konservative Werte hoch und betont seine christlichen Gesinnung. Charles de Gaulle ist sein großes Vorbild. Er sieht ihn als das klassische Bild des Patrioten und empfindet sich selbst als Patriot. Als Sichtbares Zeichen seiner Gesinnung trägt er das 'Croix Lorraine' um seinen Hals, das Kreuz von Lothringen. Die Streitkräfte des Freien Frankreich, die Forces Françaises Libres (FFL), führten als Emblem das Lothringer Kreuz in der Trikolore.
Da passt seine Leidenschaft zum Militär eigentlich nicht zu der pazifistischen Einstellung von der Rothaut aus der Feder Karl Mays. Als Soldat musste er Menschen töten, natürlich aus Selbstverteidigung. Patriotismus, als Deutschem ist einem dieses Gefühl eher befremdlich, wohl in erster Linie wegen der negativen deutschen Vergangenheit. Der Krieg jedoch galt der Aufrechterhaltung des ehemaligen Kolonialreiches der Franzosen und damit der Unterdrückung eines anderen Volkes. Auch das ist nicht mit der Gesinnung Karl Mays zu vereinbaren. In einem Interview für das Freizeit-Magazin im Jahre 1976 äußert er: "Soll ich Ihnen sagen, was das einzige ist, was ich in meinem Leben bereut habe? Das ich nicht in der Armee geblieben bin."

"Ich betrachte mich als einzig wahren Erben Karl Mays, ich allein halte seine Ideen aufrecht!" so ein Originalzitat aus seinem Munde. Für die Fans der Bücher mag dieses Zitat aber gar nicht so recht zutreffen. Viele vertreten die Auffassung, das Zitat beweise, der Erfolg durch Winnetou sei ihm etwas zu Kopf gestiegen. In den Stücken, die er schreibt ist wenig von der Handlung Karl May's entlehnt. Brice gibt als Grund dafür an, das Karl May "zu blutig!" sei. Aber ohne die literarische Vorlage ist Karl May eben kein Karl May. Vielfach wird kritisiert, Brice habe das Bild Winnetous zusehens verfälscht. Der Höhepunkt dieser Verfälschung sei der Fernsehfilm "Winnetous Rückkehr" gewesen. Winnetou ist von einem agilen 30-jährigen zu einem alten Herrn mutiert, der sich 20 Jahre vor der Wirklichkeit in einer Höhle versteckt hat (sich zu verstecken, wäre dem Winnetou Karl May's so wieso nie in den Sinn gekommen!). Bei Pierre Brice ist eingetreten, wovor Lex Barker ("wo käme ich da hin, wenn ich mich selbst als Old Shatterhand gebärden würde!") sich immer so sehr gefürchtet hat, nämlich die Identifikation mit einer Rolle. Nur so ist die blamable Wiederauferstehung zu erklären.

Überwiegend negative Reaktionen hat seine Rückkehr ausgelöst und Tatsache ist: Er hat sich damit bei den eingefleischten Fans keinen Gefallen getan. Einige Autoren haben bereits versucht, seine Biographie auf den Buchmarkt zu bringen, doch Brice verbietet vehement die Veröffentlichung. Der Grund: Winnetou schreibt selbst an ihr, wobei er wegen seinen vielen Verpflichtungen allerdings nur schleppend vorankommt. Er ist alt und reif geworden, sagt er von sich selbst und behauptet (O-Ton): "Es gibt auch Vorteile, alt zu werden. Zum Beispiel, man kann sagen, was man denkt, und früher, wenn man jung ist, man denkt mehr an seine Karriere. Man sagt: 'Oh, es ist vielleicht gefährlich zu sagen, was ich meine.' Jetzt nicht, jetzt sage ich, was ich will, und man hat auch mehr Zeit, über andere Sache zu kümmern. Man kann mehr lesen, man kann mehr träumen. Nee, alt werden ist nicht schlecht. Was schlecht ist, ist die Krankheit, aber für den Rest, alt werden ist nicht schlecht und sterben ist auch nicht schlecht." Und an dieses Lebensmotto hält er sich, als er über den Bully-Film "Schuh des Manitu" seine aufrechte Meinung sagt und es ihn wenig interessiert, wenn er mit seiner Negativkritik einer Minderheit angehört. Er steht zu dem, was er sagt auch wenn seine Ansicht unpopulär ist. "Was mich sehr berührt hat, war der Respekt, das die Indianer für jeder Wesen haben. Jeder Wesen ist für die Indianer wichtig, nicht nur die Menschen, die Wesen. Da müssen wir viel lernen."

Am Schluss bleibt das Fazit: er hat vieles mit der Figur gemeinsam, die er unzählige Male im Film und auf der Bühne verkörpert hat. Beide gehen, ohne Zweifel eine seltsame Symbiose ein. Sieht man von der, in meinen Augen voll mißglückten Rückkehr einmal ab, hat er seinen festen Platz unter den Legenden des deutschen Films.
Wenn Brice die Bühne betrat, dann spielte er nicht nur Winnetou - er war Winnetou. In seinen Stücken zeigte er dem Publikum seine Vorstellung vom Kampf gegen das Böse und für einen dauerhaften Frieden. Winnetou - die Verkörperung des Guten, Edlen und Gerechten. Das die Figur Winnetou so populär ist, haben wir in erster Linie seiner Interpretation von der edlen Rothaut zu verdanken - Winnetou sieht nicht so aus, wie Karl May ihn beschreibt, er sieht so aus wie Pierre Brice. Er als ein Franzose ist zum deutschen Mythos, zur Kultfigur geworden, von dem ganze Generationen geschwärmt haben. Wendlandt: "Reden Sie heute mal mit der Generation, die heute um die vierzig ist, die kommen ins Schwärmen, wenn sie an diese Zeiten denken, ich habe kürzlich mit Roland Emmerich gesprochen, dem deutschen Regisseur, der jetzt in Hollywood dreht (Regie "Der Patriot" mit Mel Gibson), der sagt, die Winnetou Filme fand der so toll, nich wahr, die wird er nie vergessen!" Winnetou, Pierre Brice gehört zum deutschen Kulturgut wie die Schlagworte Wirtschaftswunder, Schlagerseligkeit und VW-Käfer. Da leuchtet auch ein, dass das Bundesverdienstkreuz in seiner persönlichen Rangliste ganz oben steht, vor der Auszeichnung seiner "Roten Brüder" denn schließlich hat er den Deutschen viel zu verdanken. Ohne sie, allen voran der sächsische Fabulierer, wäre er nie in dem Maße zu Ruhm und Erfolg gekommen und auch nie zum "Rainbow Man" geworden. Das weiß er nur zu gut. Er äußert dazu: "Ich bin kein Idiot. Alles, was ich jetzt mache, ist, weil ich damals Winnetou gespielt habe. Ich spiele Theater, weil ich Winnetou war. Ich bin Unicef-Botschafter geworden, weil ich Winnetou war. Ich habe Geld für Hilfsaktionen in Bosnien bekommen, weil ich Winnetou war. Winnetou hat mir in Deutschland bei meiner Karriere sehr, sehr geholfen."

Der Schauspieler wird sich wohl nunmehr auf Theaterengagements konzentrieren, doch trotz alledem ist eines sicher: so sehr er auch versucht, von dem Winnetou-Image loszukommen, für die Mehrheit wird er der ewige Winnetou bleiben und wenn Pierre Brice irgendwo zu sehen sein wird, werden die Leute sagen: "Da ist er, da ist Winnetou!"


Seine Popularität, die er der Winnetou-Rolle zu verdanken hat, hat ihm zahlreiche Auszeichnung eingebracht:

Bambi Preisträger:
1964 bronze
1965 silber
1966 gold
1987
1990

Otto-Sieger der Jugendzeitschrift BRAVO:
1964 bronze 1970 gold
1965 gold 1971 gold
1966 gold 1972 silber
1967 gold 1976 gold
1968 gold 1977 gold
1969 gold 1978 bronze

Preisträger der Goldenen Kamera

Auszeichnung als bester Nebendarsteller im Film "Los Attracadores"

Preisträger des Scharlih des Karl-May-Archivs

1992 bekommt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen - vor allem wegen der Darstellung des Apachenhäuptlings

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Pierre Brice kurzgefasst
bürgerlicher Name: Baron Pierre Louis de Bris
geboren: 06. Februar 1929
Körpergröße 1,82 m
Geschwister: eine Schwester (vier Kinder)
Beruf des Vaters: Eisenbahnbeamter
verheiratet seit 1981 mit der 20 Jahre jüngeren Hella Brice geborene Krekel (Beruf: Dolmetscherin), Arzttochter aus dem bayrischen Amberg, die er 1976 auf einer Gala kennenlernt


Hobbys:
seine Pferde und Hunde
gut Essen und Trinken (leidenschaftlicher Koch und Rotweintrinker)
Innenarchitektur
Malerei
Antiquitäten
Deutsche Autos
Leidenschaft für's Militär
Sportschießen
Musik hören (Brahms, Wagner und Tschaikowski)
Vorbild: Charles de Gaulle


Autogrammadresse:
Pierre Brice
c/o Thomas Claaßen
Bismarckstraße 22
25524 Itzehoe

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Autor: Thomas Müller

Email des Autors: Thomas.Mhad@t-online.de

Homepage des Autors: http://home.t-online.de/home/thomas.mhad/homepage.htm



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